Integrale Evolution

Überblick

Warum Gesundheit und menschliche Entwicklung eins sind und was man braucht, um sich zu entwickeln.

Die Systematik der Integralen Evolution baut auf der Systematik von Metahormonix Pro auf. Die Kernaussage der Methode Integrale Evolution ist, dass Gesundheit, Entwicklung und Selbstverwirklichung die gleichen physiologischen Voraussetzungen haben. Mit der Integralen Evolution habe ich spezifischere Tools entwickelt, um Heil- und Entwicklungsblockaden zu beseitigen und Menschen möglichst schnell in ihr Potential zu bringen.

 

Epigenetik und morphogenetische Felder

Die Vorstellung, dass nicht nur Gene, sondern auch morphische Felder in der Natur und bei der Gesundheit eine Rolle spielen, wird in unserem heutigen naturwissenschaftlich-medizinischen Paradigma weitgehend verworfen. Die Idee der morphischen Felder in der heutigen Zeit geht auf Rupert Sheldrake zurück, aber sie wurde von unseren Vorfahren als ätherische oder astrale Kräfte seit Anbeginn der Zeit als gegeben betrachtet. Ich persönlich sehe sie als die energetische Kehrseite der Epigenetik.

Da morphische Felder in der Wissenschaft und Medizin keine Rolle spielen, gibt es natürlich auch keine Heilung für Krankheiten, die sich auf morphische Felder beziehen. Die Energiemedizin ist jedoch traditionell dazu gedacht, an diesen Feldern zu arbeiten. Das gilt auch für schamanische Rituale. Heiler vieler Zeitalter vor dem unseren haben Methoden angewandt, um “die Ahnen zu besänftigen” und “verlorene Seelenteile” zurückzubringen. Ein genauerer Blick auf diese Praktiken zeigt, dass sie sich gar nicht so sehr von modernen Konzepten der Traumatherapie unterscheiden (siehe Lisa Schwarz’ “The Comprehensive Resource Model” für wissenschaftliche Untersuchungen der neurologischen Veränderungen, die stattfinden, wenn ähnliche wie schamanische Methoden angewendet werden).

Das Modell der Traumatherapie, das ich entwickelt habe und verwende, und meine Methoden der Energiemedizin wurden entwickelt, um den Energiekörper einer Person zu unterstützen, um unerwünschte morphische Resonanzen zu beseitigen.

Während die Ausleitung von Arzneikrankheiten bereits in Metahormonix Pro behandelt wird, kommen hier energetische Methoden zum Einsatz, die auch auf morphogenetische Felder einwirken sollen, um Entwicklung gezielt zu fördern.

Die Entwicklung des Nervensystems

Es gibt einige Meilensteine der neurologischen Entwicklung, die die emotionale Gesundheit, die Selbstregulierung und spätere Phasen der geistigen Entwicklung voraussetzen:

Die meisten Menschen haben meiner Erfahrung nach bereits den ersten Meilenstein, die neuromotorische Reife, nicht erreicht. Die lückenhafte und unvollständige Entwicklung neurologischer Funktionen ist also leider die Regel.

Meilensteine neurologischer Entwicklung

Nur ein reifes System ist funktionsfähig und kann seine Aufgaben voll erfüllen. Reife ist der Abschluss eines körperlichen oder geistigen Wachstumsprozesses auf allen Ebenen. Aus der Sicht der Physiologie bedeutet Reife, dass alle Regulationssysteme im Umfang der ihnen zugewiesenen Aufgabe voll funktionsfähig sind. Der Umfang der Aufgabe ist in unseren Genen festgelegt und manifestiert sich ansonsten durch eine optimale epigenetische Ausbeute unseres natürlichen Bauplans.

Unser Nervensystem entwickelt sich ein Leben lang. Dies ist eine Tatsache, die den meisten Menschen nicht bewusst ist – sie gehen automatisch davon aus, dass es “normal” ist, dass sich das Nervensystem mit zunehmendem Alter zurückbildet. Diese unglückliche Entwicklung mag normal sein, aber sie ist weit davon entfernt physiologisch oder gar gesund zu sein. Bei einem gesunden Menschen entwickelt sich das Gehirn weiter und wird mit der Zeit komplexer. Diese Komplexität wird durch neue Verbindungen innerhalb des Gehirns hervorgerufen, auch Neuroplastizität genannt. Bis zu einem Alter von etwa 7 Jahren verläuft dieser Prozess jedoch viel dramatischer als in späteren Jahren. Erstens muss das Gehirn selbst in unseren frühen Jahren an Masse gewinnen, was nur geschehen kann, während wir körperlich wachsen. Zweitens sind große Teile des Gehirns zu Beginn unseres Lebens noch nicht miteinander verbunden (z.B. beide Gehirnhälften). Diese grundlegende “Verdrahtung” geschieht grob in zwei Schritten. Der erste Schritt kann als “Neuromotorische Reife” bezeichnet werden und sollte im Alter von etwa 1 Jahr erreicht sein. Eine der größten äußerlichen Repräsentationen der neuromotorischen Reife ist die Fähigkeit zu laufen. Der zweite Meilenstein wird “Sensorische Integration” genannt. Eine der größten äußeren Repräsentationen ist die Schulreife (nicht umsonst wurden Kinder früher im Alter von 7 Jahren in die erste Klasse eingeschult). Bis zum 21. Lebensjahr passieren noch einige weitere Veränderungen im Gehirn, vor allem wenn die Pubertät einsetzt und das Gehirn mit Sexualhormonen überflutet wird. Auch über die Geschlechtsreife gibt es viel zu sagen. Aber sie ist nicht direkt entscheidend für die Homöostase bis zu späteren Stadien der geistigen Entwicklung, die sehr viele Menschen vielleicht nie erreichen, weil die neuromotorische Reife die Voraussetzung nicht nur für die sensorische Integration sondern auch für die integrierte und gesunde sexuelle Reifung ist.

Persistierende frühkindliche Reflexe

Einige Folgen der fehlenden neuromotorischen Reife, was gleichbleibend mit der Persistenz frühkindlicher Reflexe ist:

  • Verschwendung von Energieressourcen (bis zu 30% mehr Energie als geplant)
  • Hirnstammbasiertheit, da sich das limbische System und der frontale Kortex nur unzureichend entwickeln
  • Programmierte Dominanz des Sympathikus Nervs und des Generellen Adaptationssyndroms, da im reflexhaften Zustand Gefahren überproportioniert wahrgenommen werden, wobei die neurologisch noch aktive Perspektive des Kleinkindes Hypervigilanz als Werkseinstellung rechtfertigt (da das Kind idealerweise durch liebevolle Eltern von außen beruhigt und reguliert wird)
  • Unfähigkeit, den Körper und die Gefühle wahrzunehmen
  • Unfähigkeit, den Willen körperlich auszudrücken
  • Unzureichendes nonverbales Signalsystem in Beziehungen
  • Mangel an Impulskontrolle
  • Mangelndes Vertrauen in den eigenen Körper
  • Unfähigkeit komplexe Zusammenhänge zu erfassen oder mehrere Perspektiven miteinander abzuwägen
  • Gefühl ständiger Überforderung, da das Sensorium überfordert ist und mit sensorischen Informationen nicht umgehen kann
  • Das Gefühl, in einem Zustand des Defizits zu sein, weil die Person unbewusst erkennt, dass sie keine Kontrolle über ihren Körper hat
  • Probleme mit den basalen Sinnen und in der Folge mit allen Fähigkeiten, die von ihnen abhängen

Das bedeutet, dass anhaltende neonatale Reflexe einen indirekten, aber erheblichen Einfluss auf unsere Energiebilanz haben, indem sie unnötigerweise erhebliche Mengen an wertvollen Ressourcen verschwenden.

Es sollte nun auch klar werden, dass eine gesunde emotionale Entwicklung ohne eine Basis von ausreichend reifen Reflexen nicht möglich ist. Unsere psychische Entwicklung weg von der Mutter (Trennung) hängt von der körperlichen Entwicklung des Nervensystems ab. Der Übergang von den Neugeborenenreflexen zu den Erwachsenenreflexen sollte mit etwa 12 Monaten abgeschlossen sein, sodass das Kind vom Baby-Dasein zum Laufen übergehen kann.

In der Grafik unten finden Sie noch einmal eine schematische Entwicklung des Gehirns weg von der Dominanz des Hirnstamms:

Gibt es mit der neurologischen Entwicklung Probleme, müssen wir zum Anfang der Entwicklung zurückgehen, um Lücken zu schließen.

Neuromotorisches Training

Bei auftretenden Problemen ist also die neuromotorische Reifung das erste, woran der Patient arbeiten muss. Die INPP-Methode besteht aus einem Trainingsprogramm, welches von Forschern entwickelt wurde, die herausgefunden haben, dass bei vielen Kindern mit Lernschwierigkeiten noch primitive oder neonatale Reflexe aktiv sind, und dass archetypische Bewegungen, die die natürlichen Bewegungen der Kinder nachahmen, bei der Integration der Reflexe helfen könnten. Diese Übungen müssten sehr langsam und über einen langen Zeitraum durchgeführt werden, da das Nervensystem von allen Geweben des Körpers am langsamsten wächst.

Seitdem haben andere Praktiker das Thema erforscht und haben ebenfalls verschiedene Methoden entwickelt. Ich habe jedoch die Erfahrung gemacht, dass diese Methoden (oft mit Hilfe der Kinesiologie) durchaus in der Lage sind, persistierende Reflexe abzubauen. Aber sie sind nicht in der Lage, das Nervensystem danach wieder gesund und integriert aufzubauen. Denn die neurologische Entwicklung geschieht in zwei Schritten: erst müssen alte Strukturen abgebaut werden, damit neue Strukturen entstehen können (eine Analogie zum anabolen-katabolen Prinzip). Deshalb verwende ich die INPP-Methode als Grundlage für die neurologische Entwicklung.

Dies ist die Reihenfolge, in der die neonatalen Reflexe nach der INPP-Methode integriert werden:

Es gibt eine ganze Reihe von Neugeborenenreflexen, die aber nicht alle bearbeitet werden müssen. Für eine gesunde Entwicklung reicht es aus, an diesen Reflexen zu arbeiten, die die unabhängige Bewegung der Gliedmaßen behindern. Der erste Reflex ist neurologisch gesehen kein Reflex. Die Freeze-Reaktion oder Angstlähmungsreaktion ist im Grunde unser erster neurologischer Impuls, uns durch Erstarren zu verteidigen. Diese Reaktion bleibt unser ganzes Leben lang aktiv, aber sie sollte nur dann einsetzen, wenn es wirklich brenzlig wird und wir nicht mehr die Möglichkeit haben, “Kampf oder Flucht” zu betreiben, um unser Leben zu retten. Wie Sie an den Symbolen auf der Infografik sehen können, arbeitet jeder Reflex mit einem bestimmten Richtungssinn. In den ersten 12 Lebensmonaten sind wir aufgerufen, die Schwerkraft zu beherrschen, indem wir verstehen, was die Seiten, oben, unten, vorne und hinten sind. Hier kommen unsere neonatalen Reflexe ins Spiel. Sie lösen reflexartig viele Bewegungen aus, bis das Gehirn die Richtungen verstanden hat und der entsprechende Reflex in die Bewegung integriert wird. Auf der Grafik unten sehen Sie genauer, wie bestimmte Reflexe dem Körper helfen, die Schwerkraft zu überwinden, damit wir mit Leichtigkeit aufrecht gehen können:

Die Entwicklung der Psyche

Eine gesunde psychische Entwicklung beginnt mit der emotionalen Verschmelzung mit der Mutter im Säuglingsalter (Symbiose), geht über in die emotionale Autonomie im Alter von 21 Jahren (Fähigkeit zu wechselseitigen emotionalen Beziehungen und zur Selbstregulation) und setzt sich danach mit höheren mentalen Entwicklungsstufen fort, die echte Individualität (Individuation) ermöglichen.

Symbiose

Das Kind synchronisiert sich mit engen Bezugspersonen durch emotionale Symbiose. Ich stimme mit dem Psychotherapeuten Franz Rupert überein, der davon ausgeht, dass der symbiotische Prozess bereits im Mutterleib beginnt: “Nicht nur, was die Mutter isst, ob sie Alkohol trinkt oder raucht, auch all ihre emotionalen Stimmungen spiegeln sich als Reizmuster im Organismus des Kindes wider und prägen dessen psychische Grundstruktur.”1Ruppert, Symbiose und Autonomie, 2017, S.39 Heute wird immer mehr akzeptiert, dass die ersten Lebensjahre und auch die Zeit im Mutterleib entscheidend für alles Folgende sein könnten. Kindergehirne arbeiten bis zu einem Alter von zwei Jahren auf einer hoch empfänglichen Frequenz, die Erwachsene normalerweise nur in tiefsten hypnotischen Zuständen erreichen. 2Lipton, Biologie des Glaubens, dt. Aufl., 2006, S. 162 Kinder laden Emotionen, Denkmuster, Stimmungen und Verhaltensweisen aus ihrer Umgebung buchstäblich in ihr Unterbewusstsein herunter und verankern sie dort. Auch die psychische Verfassung der Eltern zum Zeitpunkt der Zeugung hat Einfluss auf die Entwicklung und das Selbstbild des Kindes.3Lipton, µm>Intelligente Zellen, 2006, S. 172 In der Regel versuchen Eltern, ihren Nachwuchs positiv zu beeinflussen und unbeschwert zu erziehen, aber ihre Sorgen, Ängste und Überforderungen wirken sich dennoch auf das Kind aus. Dies führt leider bei den meisten Menschen zumindest zu einer gewissen Form der frühkindlichen Symbiosestörung.

Symbiotisches Trauma

Das Problem ist, dass Kinder von ihren Eltern gehalten, gewärmt, genährt, gesehen, geliebt, getröstet und in vielerlei Hinsicht unterstützt werden wollen. Dies geschieht aber nur, wenn Kinder das Gefühl haben, dass die Mutter wirklich verfügbar ist, was sie nicht sein kann, wenn sie mit ihren eigenen Sorgen und Traumata beschäftigt ist. Kinder, die so unsicher an die Umwelt gebunden sind, können Schwierigkeiten haben, sich auf die Umwelt zu beziehen, weil ihre Aufmerksamkeit ständig auf die Mutter gerichtet ist. Im Prinzip muss sich das Kind ständig vergewissern, ob die Mutter noch da ist.4Ruppert, Symbiose und Autonomie, 2017, S.73-74 Diese Art von symbiotischem Trauma ist fatal für die Persönlichkeitsentwicklung, da ein symbiotisches Trauma dem Kind nicht erlaubt, sich erfolgreich von seinen Eltern zu lösen. Unbefriedigende symbiotische Bedürfnisse führen zum Fortbestehen der negativen symbiotischen Beziehung. Das bedeutet, dass es einerseits nicht möglich ist, die Überzeugungen und Werte der Eltern in der Tiefe abzuschütteln, und dass andererseits die Stimmung der Eltern und des Elternhauses weiterhin so empfunden wird, als wäre es die eigene des Kindes – sei dies auch nur das innere Kind des nun erwachsenen Menschens. Symbiotische Traumata verhindern, dass das Individuum psychisch autonom wird.

Das Kerngefühl eines symbiotisch traumatisierten Menschen ist es, ein verzweifeltes Bedürfnis zu haben, das nie befriedigt werden kann. In diesem Zustand wird Liebe, Aufmerksamkeit, Engagement usw. von anderen erwartet, kann aber nicht erwidert werden.

Bindung

Die Fähigkeit, erfüllende menschliche Beziehungen zu haben, wird Bindung genannt.

Im Gegensatz zu dem Glauben, dass Babys liebevolle Wesen sind, erklärt das folgende Zitat, dass Babys in erster Linie Instinktwesen sind, die Hirnstammbasiert leben. Sie wecken im Idealfall liebevolle Gefühle bei ihren Bezugspersonen, die dann ihrerseits den Kindern beibringen, zu lieben, nicht nur zu wollen oder zu brauchen:

“Neugeborene Babys sind nicht sehr sozial; sie schlafen die meiste Zeit und wachen auf, wenn sie hungrig oder nass sind. Nachdem sie gefüttert worden sind, schauen sie sich vielleicht eine Weile um, werden unruhig oder starren, aber bald schlafen sie wieder und folgen ihrem eigenen inneren Rhythmus. Zu Beginn ihres Lebens sind sie den wechselnden Gezeiten ihres sympathischen und parasympathischen Nervensystems ziemlich ausgeliefert und ihr Reptiliengehirn steuert den größten Teil der Show. Aber Tag für Tag, wenn wir gurren und lächeln und gackern, stimulieren wir das Wachstum der Synchronität im sich entwickelnden ventralen vagalen Komplex (=das neomammalische Gehirn). Diese Interaktionen helfen dabei, die emotionalen Erregungssysteme unserer Babys mit ihrer Umgebung in Einklang zu bringen. Der ventrale vagale Komplex steuert das Saugen, Schlucken, den Gesichtsausdruck und die vom Kehlkopf erzeugten Laute. Wenn diese Funktionen bei einem Säugling stimuliert werden, gehen sie mit einem Gefühl von Vergnügen und Sicherheit einher, was dazu beiträgt, die Grundlage für alles zukünftige Sozialverhalten zu schaffen.”5Kolk, Bessel van der. The Body Keeps the Score (Kindle-Positionens1445-1450)

Die hässliche und vielleicht unerwartete Wahrheit über das Menschsein ist, dass die Erfahrung von Liebe von der Fähigkeit abhängt, sich mit anderen Menschen zu verbinden. Im Gegensatz zum Instinkt ist Bindung eine erworbene Fähigkeit und nichts, womit wir geboren werden. Die Fähigkeit zu saugen, zu schlucken und Mimik auszudrücken hängt im Übrigen nicht nur von der Liebe der Eltern ab, sondern auch von gut integrierten Reflexen, die sich im Idealfall zur gleichen Zeit in welcher das Kind die Symbiose verlässt, um ein Ich-Bewusstsein zu entwickeln, integrieren.

Es gibt grundsätzlich einen biologischen und einen psychologischen Aspekt der Bindung.

Der biologische Aspekt beschreibt den körperlichen Kontakt mit den Eltern. Das Kind fühlt sich den Eltern durch Körperkontakt, Geruch und deren Stimmen nahe.6Sullivan et al., Infant bonding and attachment to the caregiver: insights from basic and clinical science, 2011

Psychologisches Bonding findet statt, wenn die Bezugspersonen eine räumliche und emotionale Bindung zum Kind aufbauen und für das Kind zugänglich und aufmerksam sind.

Bindung wird optimal erreicht, wenn sich das Kind geliebt und geborgen fühlt, denn dann wächst das Selbstvertrauen. Es wird dann seine Umwelt erkunden, mit anderen spielen und sich sozial verhalten.7Fraley, A Brief Overview of Adult Attachment Theory and Research, 2010 Bei unzureichender Bindung wird das Kind ängstlich reagieren, sich ungeliebt und im Extremfall bedroht fühlen. Das Gefühl der Bedrohung resultiert aus der tatsächlichen Abhängigkeit von den Eltern, die das Kind ernähren und beschützen müssen, damit es nicht stirbt.

Kontakt im Sinne einer körperlichen und bewussten Interaktion des Kindes mit engen Bezugspersonen ist nur eine Säule der sicheren Bindung. Die Qualität der Interaktion ist ebenso wichtig.

Sollten die Eltern zwar scheinbar “brav mitmachen”, aber abwesend sein, sich insgeheim ärgern, die Interaktion aus welchen Gründen auch immer nicht genießen, dann wird das Kind am Ende eine sogenannte “leere Bindung” haben.

Diese Form der Bindungsstörung ist genauso schädlich wie offene Vernachlässigung oder Gewalt, wenn nicht schlimmer. Bei leerer Bindung verknüpft das Kind unbewusst Verhalten, das liebevoll aussieht, mit etwas, das sich nicht gut anfühlt.

Leere Bindung ist in unserer Gesellschaft die Regel. Sie ist für die Betroffenen oft schwer zu erkennen, weil ihnen einfach ein doppelter Bezugspunkt fehlt. Erstens können sie oft keinen offensichtlichen Missbrauch wie offene Gewalt in ihrer Kindheit feststellen und gehen deshalb davon aus, dass ihre Kindheit glücklich war. Typisch für so eine fehlende Selbstwahrnehmung sind Sätze wie: “Meine Eltern haben mich geliebt, konnten es aber schwer zeigen…”. Zweitens ist pervertierte Liebe und Fürsorge alles, was sie kennen.

Leere Bindung ist so normal, dass Kinder dazu angehalten werden, jede Zuwendung, die sie von ihren Eltern erhalten, als Liebe zu akzeptieren. Schließlich erkenne die Eltern selbst den Unterschied zwischen tatsächlicher Liebe und leerer Anhänglichkeit nicht.

Aber Menschen gedeihen und entwickeln sich weder durch leere Bindung noch durch irgendeine andere Form der Bindungsstörung richtig. Es wird immer eine Stimme geben, die fordert, dass die Symbiose mit Liebe erfüllt werden muss, bis sie tatsächlich mit Liebe erfüllt ist.

Die große Frage ist nun: von wem. Wer wird die nagende Stimme der unerfüllten Symbiose endlich zum Schweigen bringen?

Die Eltern, die noch nie gewusst haben und vermutlich auch heute noch nicht wissen, wie man wirklich liebt?

Und ist es wirklich noch die Aufgabe der Eltern (oder irgendeines Ersatzes, auf den die Eltern projiziert werden), die Bedürfnisse eines erwachsenen Menschen zu erfüllen?

Echte Autonomie

Wie bereits an anderer Stelle beschrieben wird allgemein davon ausgegangen, dass Menschen nicht nur älter, sondern im Idealfall reifer und auch erwachsen werden. Das Alter, in dem das Erwachsensein erreicht wird, liegt traditionell zwischen 18 und 21 Jahren. Dabei wird stillschweigend davon ausgegangen, dass der Prozess der Entdeckung der emotionalen und mentalen Autonomie abgeschlossen ist. Dies ist jedoch nur sehr selten der Fall.

“Wahre Autonomie bedeutet, sich niemandem unterordnen zu müssen und den eigenen inneren Maßstäben folgen zu können.”8Ruppert, Symbiose und Autonomie, 2017, S.52 Sie setzt die emotionale Ablösung von den Eltern voraus, die einerseits ein Prozess der Loslösung und des Eigenwerdens ist, andererseits ein Weg, den eigenen inneren Kern und die eigene Tiefe zu erreichen. 9Kast, Auf dem Weg zur Selbstwerdung: Werden, wer ich wirklich sein kann, 2015, Kindle Position 80

Demnach brauchen echte Erwachsene weder ihre Eltern noch irgendeinen Ersatz (Lehrer, Freunde, die Gesellschaft, Liebespartner), um ihre unerfüllten symbiotischen Bedürfnisse zu befriedigen.

Auf der anderen Seite werden Menschen leider nie wirklich erwachsen, solange die symbiotischen Bedürfnisse nicht richtig erfüllt sind.

Es ist wichtig zu wissen, dass symbiotische Bedürfnisse buchstäblich nicht von anderen befriedigt werden können, wenn das Alter, in dem Symbiose normal ist, überschritten ist (spätestens nach dem 3. Lebensjahr). Deshalb werden die eigenen Eltern den Schaden nicht heilen können, wenn ihre Liebe zu spät kommt, selbst wenn sie sich auf wundersame Weise in liebende Lichtwesen verwandelt hätten. Das bedeutet nicht, dass Menschen mit Bindungsstörung nicht bewusst oder unbewusst ihre Eltern (oder ihre Freunde, Partner oder die Gesellschaft als Ersatz) dazu bringen wollen, es wieder gut zu machen. Das verursacht viel Schmerz und die oben erwähnte Wahnvorstellung, dass etwas wesentliches in einem selbst kaputt ist, etwas, das nie befriedigt werden kann.

Ein echtes Paradox, wie es scheint.

Auch wenn es widersprüchlich klingen mag, ist die Antwort auf das symbiotische Rätsel immer noch wahre Autonomie. Sobald die körperliche Autonomie richtig integriert ist, wird die emotionale Autonomie automatisch ein Thema werden. Das betroffene Individuum wird den Drang verspüren, sich zu trennen und zu individualisieren. Es wird beginnen, seine Überzeugungen und Beziehungen in Frage zu stellen, egal in welchem Alter die emotionale Autonomie beginnt. Als nächstes muss der erwachsene Teil, der normalerweise zwischen den anderen verletzten Ego-Kind-Anteilen existiert, bewusst die Verantwortung für seine verletzten “inneren Kinder” übernehmen und sie zur Reife erziehen.

Dieser Prozess wird wahrscheinlich eine Art von psychologischer Intervention erfordern, da das Wiederverbinden mit den inneren Kindern die Kernwunde wieder öffnen wird – im Grunde intensive Panik, Angst, Trauer und Überlebensterror. Es geht bei der Therapie nicht darum, dass der Therapeut der Person die Eltern ersetzt und den Klienten “nachnährt”. Der Klient selbst wird sich wieder mit seinen fragmentierten inneren Kindern verbinden müssen. Andernfalls wird wahre Autonomie nie erreicht werden. Der Schmerz kann vielleicht vorübergehend durch Zuwendung von außen gelindert, aber niemals geheilt werden.

Darunter leidet nicht nur die Beziehung zum Selbst, sondern insbesondere auch soziale und natürlich partnerschaftliche Beziehung. Beziehungen zwischen Mann und Frau, also solche, die nicht nur rein geschlechtlich, geschwisterlich oder elterlich sind, sind zum Scheitern verurteilt, solange emotionale Autonomie nicht erreicht worden ist.

Die fantastische Nachricht ist, dass jeder Mensch bereits ein perfektes Bindungssystem eingebaut hat.10Schwarz et al., The Comprehensive Resource Model, 2017, Kindle Position 2654 Es muss nur geweckt werden! Während die Eltern es in der Kindheit aktiviert haben sollten, ist im Erwachsenenalter nichts verloren. Erwachsene tragen den Schlüssel zum Erwecken ihres eigenen Bindungssystems in sich. Und nur sie selbst sind in der Lage, ihn zu benutzen. Nichts anderes wird funktionieren.

Dies zeigt, wie eng organische Funktion und emotionale und mentale Reife miteinander verbunden sind. Die Persönlichkeitsentwicklung setzt emotionale und mentale Reife voraus, die wiederum auf der perfekten organischen Funktion des Nervensystems beruht.

Entwicklungsorientierte Traumatherapie

Die entwicklungspsychologische Traumatherapie zielt auf die Herstellung emotionaler Reife und emotionaler Selbstregulation ab.

Dies sind die Stufen der emotionalen Entwicklung bis zum Erwachsenenalter:

Es ist zwar theoretisch möglich, dass Menschen ihr Entwicklungstrauma erst später in der Kindheit erwerben, aber ich habe tatsächlich noch nie jemanden getroffen, der nicht bei seinen unerfüllten symbiotischen Bedürfnissen wieder von vorne anfangen musste: also bei der Zeugung.

Meiner Erfahrung nach sind die Zeit im Mutterleib bis zum zweiten Lebensjahr die entscheidenden Jahre, die eine gesunde Entwicklung im Keim ersticken, wenn etwas schief läuft.

Als ich anfing, die Notwendigkeit zu verstehen, an einer unerfüllten Symbiose zu arbeiten, ließ ich meine Klienten bei der Zeit im Mutterleib beginnen und ließ sie sich dann hocharbeiten. Das führte jedoch nicht zu den Ergebnissen, die ich zu sehen erwartete. Ein unerfülltes Symbiose-Stadium wirkt zwar wie ein schwarzes Loch im Gefühlsleben der Menschen, aber es kann nicht sofort bearbeitet werden. Zu schmerzhaft sind die Erinnerungen, weshalb sie oft tief verdrängt werden. Außerdem werden sie zu einem Zeitpunkt gebildet, zu dem der Betroffene noch nicht einmal ein Gehirn hatte. Es gibt keine Möglichkeit für einen Fötus, seine Affekte, Reaktionen und Emotionen differenziert zu betrachten und zu erfahren. In der Therapie würde sich dies auf zwei Arten abspielen: Entweder der Klient wäre einfach nicht in der Lage auf schmerzhafte Erinnerungen zuzugreifen, oder der Klient würde äußerlich durch die nötigen Schritte gehen, aber ohne tiefe Heilung und Reintegration der abgespaltenen Ego-Anteile zu erreichen.

Zu diesem Zeitpunkt verstand ich, dass ich nicht streng chronologisch arbeiten durfte, wenn ich emotionale Reife fördern wollte. Ich müsste zuerst zu dem Moment in der Entwicklung der Person gehen, in dem die Symbiose auf natürliche Weise beendet wird, was im Alter von 3 oder 4 Jahren ist. In diesem Moment wird sich ein Mensch zum ersten Mal bewusst, dass er eine von seiner Mutter getrennte Person ist. Ich erkannte, dass ich das, was ich jetzt “persönliche Autonomie” nenne, fördern musste, bevor ich an den tiefen Dingen arbeiten konnte. Durch persönliche Autonomie entwickelt der Klient die Fähigkeit, Zeuge dessen zu sein, was er durchmacht ohne sich im überwältigenden Schmerz zu verlieren. Mit anderen Worten: Die Zeugenfähigkeit geht mit einer gewissen Kontrolle und Unterscheidungskraft einher, die entscheidend ist, um die Auswirkungen einer unerfüllten Symbiose aufzulösen.

Die Reihenfolge, in der dissoziierte Ich-Anteile integriert werden müssen, ist also die folgende:

Erstens wird die Zeugnisfähigkeit hergestellt. Zweitens werden unerfüllte symbiotische Bedürfnisse abgearbeitet. Drittens arbeitet man sich von der Zeit im Mutterleib wieder altersmäßig nach vorne, indem man alle notwendigen Ego-Anteile in mehr oder weniger chronologischer Reihenfolge integriert. Ich sage mehr oder weniger, weil sich herausgestellt hat, dass die Entwicklungsstufen (wie z. B. “Kompetenz” oder “Fürsorge” im ersten Diagramm) entscheidend sind und in chronologischer Reihenfolge abgearbeitet werden müssen, nicht aber die Ego-Anteile selbst. Das bedeutet, dass der Klient vielleicht einen 5 Jahre alten Ego-Anteil integriert, bevor er einen 3 Jahre alten Ego-Anteil integriert.

Dissoziierte Ego-Anteile integrieren

Es ist wichtig zu verstehen, dass das Ziel jeder Traumatherapie darin besteht, dissoziierte Ich-Anteile zu integrieren oder zu reintegrieren. Wie es zur Dissoziation von Ich-Anteilen kommt, entnehmen Sie bitte der Tabelle:

Was eine tiefe Heilung des Entwicklungstraumas bewirken wird, ist nicht die Abreaktion von Emotionen oder Impulsen wie Kampf, Flucht oder Erstarren. Es ist die Rückverbindung mit dem kindlichen Anteil aus der Perspektive des Anteils des Selbst, das bereits erwachsen ist. Dadurch werden automatisch auch die Affekte und Emotionen geheilt, die während der Zeit der Abspaltung aufgetreten sind. Das Ermöglichen jeglicher Form von Entladung beim Klienten wird nicht automatisch zur Integration führen. Die Behandlung von Emotionen und überwältigenden Affekten in der Therapie kann Erleichterung bringen, aber niemals Integration.

Eine Wiederverbindung kann jedoch unmöglich sein, wenn überwältigende Emotionen und Affekte im Weg sind. Sie sind es, die die automatische Wiederverbindung in Form der Selbstheilung effektiv blockieren. An dieser Stelle wird die Fähigkeit des Zeugen entscheidend. Der Erwachsene muss sich wieder mit seinen Kinderanteilen verbinden wollen, während die Kinderanteile die Erlaubnis erhalten müssen, ihren Schmerz an den Erwachsenen abzugeben, der ihn dann durcharbeiten kann, ohne von ihm überwältigt zu werden. Dieser Prozess kommt der Heilung der Bindungsstörung gleich, bei der der Klient lernt, sich mit anderen zu verbinden, indem er sich zuerst mit sich selbst verbindet.

Um die Integration zu erleichtern, bietet die von mir entwickelte Traumatherapie dem Klienten viele Werkzeuge, neurologische Schaltkreise zu aktivieren, die als innere Ressourcen für diesen Prozess dienen können, um retraumatisierende Situationen während der Therapie zu vermeiden.

Ich finde es auch sehr wichtig, die Klienten außerhalb der Therapie und in ihrem täglichen Leben zu ermutigen, sich selbst zu ermächtigen.

Sie lernen bestimmte Atemtechniken sowie andere Werkzeuge, die ihnen helfen, sich mit sich selbst zu verbinden.

Ein sehr hilfreiches Werkzeug sind sogenannte “stille Affirmationen”. Das sind vom Klienten aufgenommene Affirmationen, die technisch so nachbearbeitet wurden, dass sie mit einer hohen Tonfrequenz abgespielt werden, die vom menschlichen Ohr nicht bewusst wahrgenommen werden kann. Anders als laute Affirmationen dringen stille Affirmationen sehr viel effektiver in das Unterbewusstsein ein und sind daher in der Lage, schnell Veränderungen zu katalysieren. Während Traumatherapie eher als Deprogrammierung gesehen werden kann, sind stille Affirmationen eher eine Umprogrammierung. Während Trauma einer ungewollten Programmierung gleichkommt, ist der Klient nun aufgerufen, sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen, indem er entscheidet, womit er seinen Geist programmiert.

Im Laufe der Jahre konnte ich mich vergewissern, ob die Therapie bei dem jeweiligen Klienten funktioniert.

Im Laufe der Therapie sollte seine Fähigkeit, Paradoxe auszuhalten, Emotionen zu verarbeiten, ohne einen Therapeuten zu brauchen, und die Fähigkeit, sich mit anderen auf gesunde Weise zu verbinden, zunehmen. Der Klient sollte dazu in der Lage sein, Situationen von einer komplexen Warte her zu betrachten, um dann eine Entscheidung zu treffen, die nicht rein auf Angst basiert. Reife bedeutet auch, dass die Konsequenzen für andere Menschen einbezogen werden. Je reifer ein Mensch ist, desto weiträumiger denkt er. Er bezieht auch Perspektiven von Menschen ein, die er nicht kennt, also die Bewohner des ganzen Planeten und auch zukünftige Generationen. Auch sollte der Körper des Klienten zu seinem Freund werden und mit dem Respekt behandelt werden, den er verdient.

Ich habe das folgende Diagramm mit Meilensteinen der emotionalen Reife entwickelt, die Erwachsene erreichen sollten, während sie sich durch die Entwicklungsstufen hocharbeiten, bis sie das Erwachsenenalter nicht nur kognitiv oder theoretisch, sondern auch in einer verkörperten Weise erreichen. Verkörpert heißt, dass auch gehandelt werden kann:

Monotrauma

Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass Monotraumata wie ein Unfall oder sexueller Missbrauch am besten nach Abschluss der emotionalen Reife behandelt werden sollten. Ein Monotrauma kann zwar im Prozess der Heilung eines Entwicklungstraumas auftauchen, wird aber oft nicht gleichzeitig geheilt werden können oder nur teilweise. Sexueller Missbrauch in der frühen Kindheit zum Beispiel wird sich auf die Sexualität des Klienten auswirken, die sich in seinen Teenagerjahren entwickelt hat. Während das Kind versteht, dass etwas Schreckliches passiert, wird es nicht verstehen, was genau passiert. Dieses Verständnis erfordert eine Perspektive, die erst in einem späteren Stadium der Entwicklung reift, in dem der Klient seine eigene Sexualität entwickelt hat.  Besonders wenn der Täter des sexuellen Missbrauchs in der Familie war, muss das Entwicklungstrauma erst heilen. Selbst wenn keines der Familienmitglieder der Täter war, wird sich das Kind unbewusst durch die Unfähigkeit seiner Eltern, es zu schützen, verraten fühlen. Dieser Verrat muss zuerst geheilt werden, damit der Klient in der Lage ist, mit dem eigentlichen sexuellen Missbrauch umzugehen.

Ausnahmen bestätigen an dieser Stelle zwar die Regel, sind aber äußerst selten. Auch dann, wenn der Klient oder der Therapeut die Auswirkungen des Monotraumas viel deutlicher wahrnehmen als das Entwicklungstrauma, kann das Monotrauma abschließend erst später bearbeitet werden, sodass eine frühzeitige Intervention an dieser Stelle oft nur zu Frust führt, weil die Traumaschleife nicht deaktiviert werden kann. 

Bilder:

Titelbild: By Internet Archive Book Images – Wikipedia

Alle anderen Bilder: eigenes Werk/Canva/Powerpoint